Luise Niklas geb. Glogauer

Verlegeort
Nassauische Str. 30
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. November 2005
Geboren
27. Januar 1891 in Lipine (Oberschlesien) / Świętochłowice-Lipiny
Deportation
am 19. Januar 1942 nach Riga
Ermordet
Biografie

Luise Niklas wurde als Luzie Glogauer am 27. Januar 1891 in Lipine (Lipiny, Stadtteil von Świętochłowice, Polen) im Landkreis Beuthen in Oberschlesien geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann und Gasthausbesitzer Ismar Eugen Glogauer (*1864) und dessen Ehefrau Bertha Glogauer geborene Freund (*1864), war sie das erste von insgesamt vier Kindern. Ihre jüngere Schwester Erna kam fünf Jahre nach ihr am 11. Oktober 1896 und ihr Bruder Heinrich Friedrich zehn Jahre nach ihr am 7. März 1901 in Birkental (Brzezinka, Polen) im Landkreis Kattowitz in Oberschlesien zur Welt. Ihre jüngste Schwester Vera wurde am 10. September 1906 in Birkental geboren.

Wann und wo sich Luzie und Alfred Niklas (*9. Februar 1887) kennenlernten, konnte nicht recherchiert werden. Statt Karten zu verschicken, setzten sie eine Verlobungsanzeige in die Zeitung. Luzie wohnte in Birkental und Alfred in der Brandenburgstraße 55 in Berlin.  Alfred Niklas, der in Löwitz, Kreis Leobschütz in Oberschlesien geboren wurde, und Luzie heirateten am 18. Juli 1912 in Birkental. Trauzeugen waren Luzies Vater, der Gasthausbesitzer Ismar Glogauer, und Siegmund Kallmann. Alfreds Eltern Emanuel Niklas und dessen Ehefrau Emma geborene Berliner aus Leobschütz waren zum Zeitpunkt der Hochzeit schon verstorben.

Ein Jahr später wurden Luzie und Alfred 1913 in Birkental Eltern eines Sohnes, dem sie den Namen Gerhard gaben. 1914 nahm Alfred Niklas am Ersten Weltkrieg als Mitglied der Infanterie teil. Er wurde als Unteroffizier aus der Armee entlassen. Danach verliert sich seine Spur. 

Luzies Schwester Erna blieb unverheiratet und wohnte bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 mit 43 Jahren in der Wilhelmstraße 9 in Gleiwitz (Gliwice, Polen). Damals war sie 43 Jahre alt.

Ihr Bruder, der Geschäftsführer Heinrich Glogauer, heiratete am 11. März 1926 die aus Pilzdorf stammende Helene, genannt Lina, Brauer (*4. November 1901) in Oppeln, wo sie schon am 28. Februar 1926 Eltern von Friedrich geworden waren. Als Friedrich 1934 eingeschult wurde, wohnte die Familie zuerst in der Berliner Straße 145 und später in der Havelstraße 4 in Berlin-Charlottenburg. Heinrich arbeitete damals als Radiotechniker und später als Kraftfahrer.

Am 14. Juni 1938 ordnete die Kriminalpolizei gegen den wegen „Untreue“ vorbestraften Chauffeur Heinrich Glogauer Schutzhaft an. Zwei Tage später wurde er im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Am 30. Juli 1938 wurde er mit der Auflage entlassen, Deutschland auf dem schnellsten Weg zu verlassen. Im Oktober 1938 gelang der Familie die Flucht mit der „SS Ateus“ nach Shanghai. 

Vera Glogauer war am 29. September 1939 in der Nightingale Road in Guilford, Surrey, England gemeldet, demnach war ihr die Flucht noch vor Kriegsbeginn gelungen.

Auch ihrem Sohn Gerhard Niklas, der 1939 26 Jahre alt war, muss die Flucht noch  rechtzeitig gelungen sein. Er lebte später in Melbourne in Australien.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Luzie in der Nassauischen Straße 30 in Berlin-Wilmersdorf als Untermieterin bei Theodor und Elisabeth Frankenbach sowie deren Sohn Kurt im Gartenhaus Parterre gemeldet. Auch Wilhelm Goldstein war hier seit dem 1. Mai 1937 Untermieter eines möblierten Zimmers. Luzie war die erste aus der Zwangsgemeinschaft, die den Deportationsbefehl erhielt und sich in der als Sammellager umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einfinden musste. 

Die Gestapo deportierte Luzie Niklas geborene Glogauer mit dem „9. Osttransport“ zusammen mit 1.001 weiteren Insassen am 19. Januar 1942 vom Bahnhof Berlin-Grunewald nach Riga. Am 23. Januar 1942 trafen sie im Ghetto Riga ein. Hier verlor sich Luzies Spur. Vermutlich starb sie aufgrund der menschenunwürdigen Verhältnisse im Ghetto kurze Zeit später mit 51 Jahren.

Ihre Schwester Erna Glogauer deportierte die Gestapo am 20. Mai 1942 von Gleiwitz in das nur 65 km entfernte Vernichtungslager Auschwitz, wo sie sie ermordeten. Erna Glogauer starb mit 45 Jahren.