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Franziska Ury (geb. Schlesinger)

Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Solinger Straße 10

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
September 2003

GEBOREN
16.03.1847 in Berlin
TOT
in Berlin

Franziska Ury wurde am 16. März 1847 in Berlin als Franziska Schlesinger geboren. Sie war verheiratet mit Emil Ury, der Inhaber einer Tabakfabrik in Berlin war. Die Familie Ury war in der dritten Generation in Berlin ansässig. Der Großvater, Levin Elias Ury, bekam 1828 als jüdischer Einwanderer aus Tangermünde Stadtbürgerrecht in Berlin. Er wurde Vorsteher der großen jüdischen Gemeinde. Das Ehepaar Franziska und Emil Ury bekam vier Kinder, Ludwig, Hans, Käthe und Else. Ludwig (1870-1963) wurde Rechtsanwalt, Hans (1873-1937) wurde Arzt, Käthe (1881-1943) machte eine Ausbildung als Gymnastiklehrerin und heiratete später den Baurat Hugo Heymann. Else Ury began nach ihrer Schulausbildung zu schreiben. Sie wurde - vor allem mit der Reihe Nesthäkchen - eine der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren des 20. Jahrhunderts. 1905 zog die Familie an den Savignyplatz. 1920 verstarb Emil Ury. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Familie entrechtet und in ihrer Existenz bedroht. 1937 flüchtete sich der Sohn Franz in den Freitod, die Geschwister Ludwig und Käthe wurden nach dem Novemberpogrom 1938 von den Enkeln Franziskas ins Ausland geholt, Dr. Ludwig Ury nach London, Käthe Heimann mit Ehemann Hugo nach Amsterdam. Franziska Ury musste als alte Frau noch zwangsweise in ein „Judenhaus“ ziehen. Dort wurde die über 90-Jährige von ihrer Tochter Else gepflegt. 1940 verstarb Franziska - nicht in ihrem Zuhause in gewohnter Umgebung - sondern in den beengten Verhältnissen des Zwangsquartiers. Ihre beiden Töchter, Käthe und Else Ury, wurden 1943 in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Käthe zusammen mit Ehemann Hugo, ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und einem Enkel.


Biografische Zusammenstellung

Marianne Brentzel