Oskar Almus

Verlegeort
Dortmunder Straße 13
Bezirk/Ortsteil
Moabit
Verlegedatum
20. September 2013
Geboren
16. Dezember 1885
Verhaftet
1938 in Sachsenhausen
Deportation
am 04. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein für Oskar Almus

    Stolperstein für Oskar Almus © OTFW

Oskar Almus wurde am 16. Dezember 1885 im damals österreich-ungarischen Arnau (dem heutigen Hostinné in Tschechien) geboren. Die Ortschaft liegt etwa 20 Kilometer westlich von Trautenau und ist eine der ältesten Städte am Fuße des Riesengebirges. Mit der 1870 erfolgten Anbindung an die Bahnstrecke Velký Osek–Trutnov erlebte der Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung. Anfang des 20. Jahrhunderts war Arnau Sitz eines Bezirksgerichts und Industriestandort mit Schwerpunkt auf der Holz- und Papierfabrikation. Hier wuchs Oskar als Sohn des ortsansässigen Kaufmanns Max Almus und der Wilhelmine Almus, geb. Stiasny, im Kreis von drei Geschwistern auf: Seine Brüder Leopold und Alfred waren 1877 und 1883 in Arnau zu Welt gekommen; seine Schwester Jenny Almus im Jahr 1881. Zwei weitere Geschwister von Oskar namens Milanka und Siegfried verstarben wenige Monate nach ihrer Geburt 1878 und 1879. Oskars Vater Max besaß in Arnau ein Haus mit der Grundbuchnummer 357, das in der Bahnhofsstraße lag. Aus den Adressbüchern des Ortes von 1905 und 1912 geht hervor, dass er an dieser Adresse eine Gemischt- und Kolonialwarenhandlung betrieb.<br />
<br />
Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Oskar Almus und seinen Geschwistern haben sich keine weiteren Zeugnisse erhalten. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit zur relativ kleinen jüdischen Gemeinde Arnaus, die um die Jahrhundertwende mit 110 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte. Nach seinem Schulabschluss ergriff Oskar wie sein Vater eine kaufmännische Tätigkeit; wahrscheinlich spezialisierte er sich bereits damals als Kaufmann auf den Bereich des Textilhandels, in welchem er sich später betätigen sollte. Sein älterer Bruder Leopold war in Arnau Inhaber einer Fabrik für Likör und Sodawasser-Erzeugung. Im elterlichen Haus in der Bahnhofstraße betrieb er spätestens seit den 1900er-Jahren einen Branntweinausschank. Im Ersten Weltkrieg meldete sich Oskar Almus freiwillig für die Landstreitkräfte Österreich-Ungarns oder er wurde rekrutiert und war als Soldat an verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz. Im Familienbesitz befindet sich eine Fotografie aus dem Jahr 1916. Sie zeigt Oskar als Soldaten in Uniform auf seinem Feldbett sitzend und rauchend eine Illustrierte studieren; im Hintergrund sein Gewehr und sein Rucksack an den mit Zeitungsauschnitten – mitsamt einem Portrait von Kaiser Franz Joseph I. – verkleideten Wänden des Unterstandes.<br />
<br />
Nach Kriegsende heiratete Oskar Almus am 26. Juli 1920 die aus Hermannstädtel (heute Heřmanův Městec in Tschechien) stammende, zehn Jahre jüngere Margarete Feder. Mit ihr ging er nach Berlin, wo sich das Ehepaar 1921 eine Wohnung in der Levetzowstraße 19a im Westfälischen Viertel nahm. Ein Jahr darauf zogen sie in die unweit gelegene Dortmunder Straße 13, wo sie mit ihren 1923 und 1925 geborenen Kindern Vera Ruth und Heinz-Egon Almus lebten. Seit Mitte der 1920er-Jahre unterhielt das Ehepaar ein Textilwarenwerk in Berlin. Oskars Tochter Vera Ruth erinnerte sich später wie folgt daran: „Mein Vater hatte ein gutgehendes Damenkleider Konfektions-Engros-Geschäft mit etwa 15 bis 20 Angestellten im Geschäftsviertel Berlins in der Nähe des Hausvogteiplatzes. Er schickte auch Vertreter in die Provinz, insbesondere nach Sachsen.“ Das Textilwerk firmierte als „Oskar Almus & Co.“ bis Ende der 1920er-Jahre in der Kommandantenstraße 70 und Anfang der 1930er-Jahre in der Schützenstraße 65. Bekannte des Ehepaares bescheinigten in späteren Jahren, dass Margarete Almus an der Führung des Geschäfts beteiligt gewesen war und „ständig im Geschäft ihres Ehemannes mitgearbeitet hat.“ Von Oskars Geschwistern lebten Jenny Almus, die 1901 den Damenkonfektionär Leopold Leib Stiassny geheiratet hatte, mit ihren drei Kindern in Berlin sowie sein Bruder Alfred Almus mit seiner Ehefrau Kamilla Almus, geb. Jilovsky, und seinen Söhnen Bruno und Herbert. Oskars Bruder Leopold Almus lebte weiterhin in Arnau zusammen mit seiner Ehefrau Olga Almus, geb. Seiner, und deren 1907 und 1909 geborenen Söhnen Kurt und Otto.<br />
<br />
Nur wenige Zeugnisse des Lebens der Familie Almus im Berlin der Weimarer Republik haben sich erhalten. Eine Fotografie zeigt Margarete Almus, die Blumen in einem als Teezimmer arrangierten Teil ihrer Berliner Wohnung drapiert. Aus den späteren Angaben von Vera Ruth geht hervor, dass beide Elternteile – und wohl auch die Familie insgesamt – sehr musikalisch waren. So befand sich in ihrer Wohnung nicht nur ein elektrischer Plattenspieler mit einer großen Sammlung an Aufnahmen von Konzerten und Opern, sondern auch ein Klavier und eine Geige für die Hausmusik. Ihr Sohn Heinz-Egon war Teil des Chores der Jüdischen Gemeinde. Oskars Kinder besuchten in Berlin die Volksschule. Heinz-Egon Almus wurde 1931 in die Volksschule in der Bochumerstraße eingeschult, später besuchte er ein Gymnasium der Jüdischen Gemeinde. Am 30. November 1932 starb Oskars Vater Max Almus mit 80 Jahren in Arnau. Der Verstorbene wurde im Dezember 1932 im Beisein seiner Kinder und Enkel auf dem jüdischen Friedhof in Arnau bestattet.<br />
<br />
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Oskar Almus und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Erlasse und Sondergesetze drängten sie zunehmend in die Position von Rechtlosen. Seit 1933 war das Ehepaar Almus auch als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Vera Ruth Almus erinnerte sich später: „Im Jahre 1936 oder 1937 war mein Vater unter Einwirkung der Nationalsozialisten gezwungen, die Geschäftsräume aufzugeben und die Angestellten zu entlassen. Er führte mit meiner Mutter das Geschäft in kleinem Maßstabe bis November 1938 weiter. Im November 1938 kam er in das Konzentrationslager Dachau [Anm.: Im Gedenkbuch Berlin wird dagegen eine Internierung im Konzentrationslager Sachsenhausen angegeben] und wurde von dort krank Ende Dezember 1938 entlassen. Meine Mutter litt an einem Nervenzusammenbruch. Da beide Eltern krank waren, war es ihnen unmöglich, die Auswanderung zu betreiben. – Ich selbst kam im Juni 1939 mit einem Kindertransport nach England, während meine Eltern in einem möblierten Zimmer in Berlin, Solingerstr[aße] blieben.“<br />
<br />
Seit Mitte der 1930er-Jahre hatte Margarete Almus als Geschäftsinhaberin die „Blusen und Kleiderfabrikation Almus“ geführt, die 1933/1934 in der Elberfelder Straße 16 eingetragen war und 1936 zuletzt in einem umdisponierten Zimmer in ihrer damaligen Wohnung Stromstraße 70. Ein letztes gemeinsames Familienfoto hat sich erhalten, das in den 1930er-Jahren aufgenommen worden sein muss – vermutlich nicht lange bevor Ruth nach England verschickt wurde – und Oskar und Margarete Almus mit ihren Kindern Vera Ruth und Heinz-Egon in ihrer Wohnung in der Stromstraße zeigt. Spätestens seit Ende der 1930er-Jahre war die Eheleute gezwungen, für den Lebensunterhalt der Familie ihren Besitz zu verschleudern. Anfang der 1940er-Jahre mussten sie ihre Wohnung aufgeben und zogen mit ihrem Sohn Heinz-Egon zunächst in eine kleinere Wohnung in der Solinger Straße und zuletzt 1941/1942 in die Jagowstraße 1. Spätestens seit den 1940er-Jahren mussten Oskar und Margarete Almus außerdem Zwangsarbeit leisten: Oskar in den Daimon-Batterie- und Taschenlampenwerken der „Elektrotechnischen Fabrik Schmidt & Co“ in der Sellerstraße 13 in Berlin-Wedding; Margarete in den Anlagen der „Krone Preßwerk GmbH“ in der Frankfurter Allee 288 in Lichtenberg. Heinz-Egon Almus war zuletzt bei der Arbeitsgemeinschaft Berliner Optiker beschäftigt. Vera Ruth erhielt in England eine Postkarte ihres Bruders durch das Rote Kreuz übersandt, in der es hieß, dass dieser Optiker lernen wolle und schon in der Lehre sei. Es war das letzte persönliche Lebenszeichen ihres Bruders, das sie erreichte, und sie berichtete weiter: „Ich bekam von ihnen [ihren Eltern] nur wenige Rote-Kreuz-Nachrichten, die letzten ungefähr im März 1941. Später erfuhr ich von einer Tante aus der Tschechoslowakei, dass sie von meinem Bruder Heinz eine Postkarte erhalten hätte, wonach meine Eltern und mein Bruder auf einen Transport gewartet hätten. […] Seitdem habe ich nichts mehr von meinen Eltern gehört.“<br />
Oskar und Margarete Almus wurden gemeinsam mit ihrem Sohn Heinz-Egon im Zuge der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, Ende Februar 1943 in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurde der 58-Jährige mit seiner Frau und seinem Sohn mit dem „34. Osttransport“ am 4. März 1943 aus Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft – ermordet. Heinz-Egon Almus wurde nach Ankunft des Transports in das Lager selektiert und wenige Wochen später, am 5. Juni 1943, in Auschwitz ermordet.<br />
<br />
Nur wenige von Oskar Almus’ Angehörigen überlebten die NS-Verfolgung: Sein ältester Bruder Leopold Almus, der sich mit seiner Ehefrau Olga Almus, geb. Seiner, 1941 in Prag befunden hatte, war gemeinsam mit ihr am 26. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert worden. Beide gehörten nicht zu den wenigen Überlebenden von Litzmannstadt. Das Schicksal seines Sohnes Kurt ist unklar; sein zweiter Sohn Otto überlebte und lebte später in Israel. Oskars Schwester Jenny Stiassny, geb. Almus, war mit ihrem Mann Leopold Leib Stiassny, am 19. Januar 1941 aus Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet worden. Das Schicksal ihrer drei Kinder ist nicht bekannt. Oskars Bruder Alfred Almus und sein Sohn Bruno wurden am 2. März 1943 aus Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Alfreds Ehefrau Kamilla Almus, geb. Jilovsky, wurde einen Tag nach ihrem Mann und ihrem Sohn am 3. März 1943 ebenfalls in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr zweiter Sohn Herbert überlebte die NS-Verfolgung und lebte später in Australien. Oskars Tochter Vera Ruth Almus, später verheiratete Schragenheim, überlebte im Exil in England. Sie wurde Krankenschwester und lebte nach Ende des Krieges mit ihrem Mann und ihren Kindern in Israel.

Oskar Almus wurde am 16. Dezember 1885 im damals österreich-ungarischen Arnau (dem heutigen Hostinné in Tschechien) geboren. Die Ortschaft liegt etwa 20 Kilometer westlich von Trautenau und ist eine der ältesten Städte am Fuße des Riesengebirges. Mit der 1870 erfolgten Anbindung an die Bahnstrecke Velký Osek–Trutnov erlebte der Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung. Anfang des 20. Jahrhunderts war Arnau Sitz eines Bezirksgerichts und Industriestandort mit Schwerpunkt auf der Holz- und Papierfabrikation. Hier wuchs Oskar als Sohn des ortsansässigen Kaufmanns Max Almus und der Wilhelmine Almus, geb. Stiasny, im Kreis von drei Geschwistern auf: Seine Brüder Leopold und Alfred waren 1877 und 1883 in Arnau zu Welt gekommen; seine Schwester Jenny Almus im Jahr 1881. Zwei weitere Geschwister von Oskar namens Milanka und Siegfried verstarben wenige Monate nach ihrer Geburt 1878 und 1879. Oskars Vater Max besaß in Arnau ein Haus mit der Grundbuchnummer 357, das in der Bahnhofsstraße lag. Aus den Adressbüchern des Ortes von 1905 und 1912 geht hervor, dass er an dieser Adresse eine Gemischt- und Kolonialwarenhandlung betrieb.

Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Oskar Almus und seinen Geschwistern haben sich keine weiteren Zeugnisse erhalten. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit zur relativ kleinen jüdischen Gemeinde Arnaus, die um die Jahrhundertwende mit 110 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte. Nach seinem Schulabschluss ergriff Oskar wie sein Vater eine kaufmännische Tätigkeit; wahrscheinlich spezialisierte er sich bereits damals als Kaufmann auf den Bereich des Textilhandels, in welchem er sich später betätigen sollte. Sein älterer Bruder Leopold war in Arnau Inhaber einer Fabrik für Likör und Sodawasser-Erzeugung. Im elterlichen Haus in der Bahnhofstraße betrieb er spätestens seit den 1900er-Jahren einen Branntweinausschank. Im Ersten Weltkrieg meldete sich Oskar Almus freiwillig für die Landstreitkräfte Österreich-Ungarns oder er wurde rekrutiert und war als Soldat an verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz. Im Familienbesitz befindet sich eine Fotografie aus dem Jahr 1916. Sie zeigt Oskar als Soldaten in Uniform auf seinem Feldbett sitzend und rauchend eine Illustrierte studieren; im Hintergrund sein Gewehr und sein Rucksack an den mit Zeitungsauschnitten – mitsamt einem Portrait von Kaiser Franz Joseph I. – verkleideten Wänden des Unterstandes.

Nach Kriegsende heiratete Oskar Almus am 26. Juli 1920 die aus Hermannstädtel (heute Heřmanův Městec in Tschechien) stammende, zehn Jahre jüngere Margarete Feder. Mit ihr ging er nach Berlin, wo sich das Ehepaar 1921 eine Wohnung in der Levetzowstraße 19a im Westfälischen Viertel nahm. Ein Jahr darauf zogen sie in die unweit gelegene Dortmunder Straße 13, wo sie mit ihren 1923 und 1925 geborenen Kindern Vera Ruth und Heinz-Egon Almus lebten. Seit Mitte der 1920er-Jahre unterhielt das Ehepaar ein Textilwarenwerk in Berlin. Oskars Tochter Vera Ruth erinnerte sich später wie folgt daran: „Mein Vater hatte ein gutgehendes Damenkleider Konfektions-Engros-Geschäft mit etwa 15 bis 20 Angestellten im Geschäftsviertel Berlins in der Nähe des Hausvogteiplatzes. Er schickte auch Vertreter in die Provinz, insbesondere nach Sachsen.“ Das Textilwerk firmierte als „Oskar Almus & Co.“ bis Ende der 1920er-Jahre in der Kommandantenstraße 70 und Anfang der 1930er-Jahre in der Schützenstraße 65. Bekannte des Ehepaares bescheinigten in späteren Jahren, dass Margarete Almus an der Führung des Geschäfts beteiligt gewesen war und „ständig im Geschäft ihres Ehemannes mitgearbeitet hat.“ Von Oskars Geschwistern lebten Jenny Almus, die 1901 den Damenkonfektionär Leopold Leib Stiassny geheiratet hatte, mit ihren drei Kindern in Berlin sowie sein Bruder Alfred Almus mit seiner Ehefrau Kamilla Almus, geb. Jilovsky, und seinen Söhnen Bruno und Herbert. Oskars Bruder Leopold Almus lebte weiterhin in Arnau zusammen mit seiner Ehefrau Olga Almus, geb. Seiner, und deren 1907 und 1909 geborenen Söhnen Kurt und Otto.

Nur wenige Zeugnisse des Lebens der Familie Almus im Berlin der Weimarer Republik haben sich erhalten. Eine Fotografie zeigt Margarete Almus, die Blumen in einem als Teezimmer arrangierten Teil ihrer Berliner Wohnung drapiert. Aus den späteren Angaben von Vera Ruth geht hervor, dass beide Elternteile – und wohl auch die Familie insgesamt – sehr musikalisch waren. So befand sich in ihrer Wohnung nicht nur ein elektrischer Plattenspieler mit einer großen Sammlung an Aufnahmen von Konzerten und Opern, sondern auch ein Klavier und eine Geige für die Hausmusik. Ihr Sohn Heinz-Egon war Teil des Chores der Jüdischen Gemeinde. Oskars Kinder besuchten in Berlin die Volksschule. Heinz-Egon Almus wurde 1931 in die Volksschule in der Bochumerstraße eingeschult, später besuchte er ein Gymnasium der Jüdischen Gemeinde. Am 30. November 1932 starb Oskars Vater Max Almus mit 80 Jahren in Arnau. Der Verstorbene wurde im Dezember 1932 im Beisein seiner Kinder und Enkel auf dem jüdischen Friedhof in Arnau bestattet.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Oskar Almus und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Erlasse und Sondergesetze drängten sie zunehmend in die Position von Rechtlosen. Seit 1933 war das Ehepaar Almus auch als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Vera Ruth Almus erinnerte sich später: „Im Jahre 1936 oder 1937 war mein Vater unter Einwirkung der Nationalsozialisten gezwungen, die Geschäftsräume aufzugeben und die Angestellten zu entlassen. Er führte mit meiner Mutter das Geschäft in kleinem Maßstabe bis November 1938 weiter. Im November 1938 kam er in das Konzentrationslager Dachau [Anm.: Im Gedenkbuch Berlin wird dagegen eine Internierung im Konzentrationslager Sachsenhausen angegeben] und wurde von dort krank Ende Dezember 1938 entlassen. Meine Mutter litt an einem Nervenzusammenbruch. Da beide Eltern krank waren, war es ihnen unmöglich, die Auswanderung zu betreiben. – Ich selbst kam im Juni 1939 mit einem Kindertransport nach England, während meine Eltern in einem möblierten Zimmer in Berlin, Solingerstr[aße] blieben.“

Seit Mitte der 1930er-Jahre hatte Margarete Almus als Geschäftsinhaberin die „Blusen und Kleiderfabrikation Almus“ geführt, die 1933/1934 in der Elberfelder Straße 16 eingetragen war und 1936 zuletzt in einem umdisponierten Zimmer in ihrer damaligen Wohnung Stromstraße 70. Ein letztes gemeinsames Familienfoto hat sich erhalten, das in den 1930er-Jahren aufgenommen worden sein muss – vermutlich nicht lange bevor Ruth nach England verschickt wurde – und Oskar und Margarete Almus mit ihren Kindern Vera Ruth und Heinz-Egon in ihrer Wohnung in der Stromstraße zeigt. Spätestens seit Ende der 1930er-Jahre war die Eheleute gezwungen, für den Lebensunterhalt der Familie ihren Besitz zu verschleudern. Anfang der 1940er-Jahre mussten sie ihre Wohnung aufgeben und zogen mit ihrem Sohn Heinz-Egon zunächst in eine kleinere Wohnung in der Solinger Straße und zuletzt 1941/1942 in die Jagowstraße 1. Spätestens seit den 1940er-Jahren mussten Oskar und Margarete Almus außerdem Zwangsarbeit leisten: Oskar in den Daimon-Batterie- und Taschenlampenwerken der „Elektrotechnischen Fabrik Schmidt & Co“ in der Sellerstraße 13 in Berlin-Wedding; Margarete in den Anlagen der „Krone Preßwerk GmbH“ in der Frankfurter Allee 288 in Lichtenberg. Heinz-Egon Almus war zuletzt bei der Arbeitsgemeinschaft Berliner Optiker beschäftigt. Vera Ruth erhielt in England eine Postkarte ihres Bruders durch das Rote Kreuz übersandt, in der es hieß, dass dieser Optiker lernen wolle und schon in der Lehre sei. Es war das letzte persönliche Lebenszeichen ihres Bruders, das sie erreichte, und sie berichtete weiter: „Ich bekam von ihnen [ihren Eltern] nur wenige Rote-Kreuz-Nachrichten, die letzten ungefähr im März 1941. Später erfuhr ich von einer Tante aus der Tschechoslowakei, dass sie von meinem Bruder Heinz eine Postkarte erhalten hätte, wonach meine Eltern und mein Bruder auf einen Transport gewartet hätten. […] Seitdem habe ich nichts mehr von meinen Eltern gehört.“
Oskar und Margarete Almus wurden gemeinsam mit ihrem Sohn Heinz-Egon im Zuge der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, Ende Februar 1943 in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurde der 58-Jährige mit seiner Frau und seinem Sohn mit dem „34. Osttransport“ am 4. März 1943 aus Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft – ermordet. Heinz-Egon Almus wurde nach Ankunft des Transports in das Lager selektiert und wenige Wochen später, am 5. Juni 1943, in Auschwitz ermordet.

Nur wenige von Oskar Almus’ Angehörigen überlebten die NS-Verfolgung: Sein ältester Bruder Leopold Almus, der sich mit seiner Ehefrau Olga Almus, geb. Seiner, 1941 in Prag befunden hatte, war gemeinsam mit ihr am 26. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert worden. Beide gehörten nicht zu den wenigen Überlebenden von Litzmannstadt. Das Schicksal seines Sohnes Kurt ist unklar; sein zweiter Sohn Otto überlebte und lebte später in Israel. Oskars Schwester Jenny Stiassny, geb. Almus, war mit ihrem Mann Leopold Leib Stiassny, am 19. Januar 1941 aus Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet worden. Das Schicksal ihrer drei Kinder ist nicht bekannt. Oskars Bruder Alfred Almus und sein Sohn Bruno wurden am 2. März 1943 aus Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Alfreds Ehefrau Kamilla Almus, geb. Jilovsky, wurde einen Tag nach ihrem Mann und ihrem Sohn am 3. März 1943 ebenfalls in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr zweiter Sohn Herbert überlebte die NS-Verfolgung und lebte später in Australien. Oskars Tochter Vera Ruth Almus, später verheiratete Schragenheim, überlebte im Exil in England. Sie wurde Krankenschwester und lebte nach Ende des Krieges mit ihrem Mann und ihren Kindern in Israel.