Margarete Thoman geb. Oppenheim

Verlegeort
Nikolsburger Platz 4
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. April 2012
Geboren
23. Dezember 1875 in Breslau (Schlesien) / Wrocław
Deportation
am 11. September 1942 nach Theresienstadt
Ermordet
März 1943 in Theresienstadt
Biografie

Margarete Oppenheim wurde am 23. Dezember 1875 in Breslau (Wrocław, Polen) geboren. In ihrer Geburtsurkunde wurde Margarethe noch mit „h“ geschrieben. Ihre Eltern waren der Kaufmann Heinrich Oppenheim aus Marienburg (Malbork, Polen), Westpreußen und seine Ehefrau Regina Oppenheim geborene Brieger (*1853) aus Brieg (Brzeg) in Schlesien. Zwei Jahre später bekam Margarete noch in Breslau eine kleine Schwester, die sie Ella nannten. Die Familie zog anschließend nach Berlin-Spandau in die Kurstraße 33, wo Ella im April 1879 mit nur zwei Jahren starb.

Wo und wann Margarete ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Max Thoman (*12. Februar 1874) aus Groß-Konarzin (Konarzyny, Polen), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 21. Januar 1902 in Berlin. Max hieß damals noch nicht „Thoman“ mit Nachnamen, sondern „Todtenkopf“, so dass Margarete mit der Heirat auch diesen Namen führen musste.  Ein Jahr nach der Hochzeit, am 20. Januar 1903, wurde ihr erstes Kind Henry geboren. Damals wohnten sie in der Achenbachstraße 34 in Berlin-Charlottenburg. Als Henry acht Jahre alt war, bekam er am 9. Februar 1911 eine Schwester, die sie Anneliese nannten.

Max Todtenkopf führte ein eigenes Getreidegeschäft in der Nachodstraße 17 in Deutsch-Wilmersdorf. Durch Justizministerial-Erlass vom 10. April 1920 wurde Max und seiner Ehefrau Margarete die Führung des Familiennamens Thoman anstelle des bisherigen Nachnamens Todtenkopf gestattet. Geschäftlich führte Max Thoman den Namen Todtenkopf noch weiter.  

Ab 1921 lebte die kleine Familie in der Meierottostraße 5 im zweiten Stock in Berlin-Wilmersdorf. 1933 zogen sie an den Nikolsburger Platz 4. Ihr Sohn Henry, der wie sein Vater den Beruf des Kaufmanns erlernt hatte, zog in die Hufelandstraße 2 in Berlin-Prenzlauer Berg. Er heiratete 1936 die Stenotypistin Jeanette Frommit Jacoby (*12. August 1901 in Berlin). 

1937 musste Margaretes Ehemann das Getreidegeschäft aufgeben. Von 1938 bis 1940 arbeitete er als Handelsvertreter. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 lebte ihre 27-jährige Tochter Anneliese noch bei ihnen. Ihr gelang im Dezember 1939 die Flucht nach Großbritannien. Ihre Eltern und ihr Bruder blieben in Berlin.

Obwohl Max Thoman im Berliner Adressbuch 1940 noch am Nikolsburger Platz 4 gemeldet war, ist anzunehmen, dass auch die Eheleute Thoman im Juni 1940, wie andere jüdische Mieterinnen und Mieter des Hauses, in eine Zwangswohnung umziehen mussten. Ihnen wurde ein Zimmer zur Untermiete in der Chodowieckistr. 42 in Berlin-Prenzlauer Berg zugewiesen. Am 11. September 1942 deportierte die Gestapo Margarete und Max Thoman zusammen mit 98 weiteren Personen mit dem Alterstransport I-64 vom Anhalter Bahnhof in Berlin in das Ghetto Theresienstadt.

Hier musste Margarete schon kurze Zeit später den Tod ihres 68-jährigen Ehemannes am 30. September 1942 miterleben. Margarete überlebte ihn noch ein halbes Jahr. Sie starb aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto am 26. März 1943 mit 67 Jahren.

Ihr 40-jähriger Sohn Henry und dessen Ehefrau Jeanette wurden bei der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 von der Gestapo festgesetzt und am 1. März 1943 bzw. 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.