Gerhard Bukofzer

Verlegeort
Solinger Straße 10
Bezirk/Ortsteil
Moabit
Verlegedatum
2003
Geboren
29. Februar 1924
Ermordet
  • Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10.
    Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.

    Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.

  • Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10.
    Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.

    Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.

Herbert Max Bukofzer wurde am 29. Februar 1924 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Fleischermeisters Alexander Bukofzer und der Ella Bukofzer, geb. Groß. Aus erster Ehe seines Vaters hatte Herbert noch einen Halbbruder namens Heinz, der etwa zehn Jahre älter als Herbert war und 1927 mit 14 Jahren verstarb. Herberts Vater stammte ursprünglich aus Bromberg (dem heutigen Bydgoszcz), wo er, genau wie Herberts Großvater Hermann Bukofzer, eine Schlachterei geführt hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg war der inzwischen verwitwete Alexander Bukofzer mit seinem Sohn Heinz nach Berlin gezogen und hatte dort im November 1922 erneut geheiratet. Zum Zeitpunkt der Geburt von Herbert lebte die Familie in einer 7-Zimmer-Wohnung in der Klopstockstraße 20 im Hansaviertel. Alexander Bukofzer unterhielt einen Stand als Großschlächter und Großhändler auf dem Berliner Zentralvieh- und Schlachthof und sicherte der Familie damit Einnahmen, mit welchem sie im Berlin der Weimarer Republik zum gutbürgerlichen Mittelstand zählte. Herbert Bukofzer wurde im April 1930 eingeschult, später besuchte er die Jüdische Mittelschule in der Großen Hamburger Straße 27 (heute das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn). Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie bis 1933 geben könnten.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Herbert Max Bukofzer und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Herbert Max Bukofzer hat die Diskriminierungen unmittelbar im Bildungswesen zu spüren bekommen. Bereits 1933 war dem 9-Jährigen mit dem „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ die Chance auf einen höheren Bildungszweig versperrt worden. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und nach den Pogromen im November 1938 wurde jüdischen Schülern der Besuch von öffentlichen Schulen grundsätzlich verboten. Da es sich bei der von Herbert Bukofzer besuchten Mittelschule um eine Schule der Jüdischen Gemeinde handelte, konnte er seine Ausbildung vorerst weiterführen. Seit 1933 war sein Vater als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Im Jahr 1938 musste er seinen Stand auf dem Zentralen Viehhof aufgeben. Zuvor hatte er noch versucht diesen zu verkaufen, hatte dafür aber keine Genehmigung erhalten. Im November 1938 wurde Herberts Vater in Berlin verhaftet und vom 11. November 1938 bis zum 7. Dezember 1938 als Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Vermutlich musste er vor seiner Entlassung zustimmen, dass Land schnellstmöglich und unter Aufgabe seines Vermögens zu verlassen. Alexander Bukofzer gelang es für sich, seine Ehefrau und seinen Sohn Visa zu erhalten. Als sie Deutschland am 26. März 1939 in Richtung Südamerika verlassen konnten – Hebert war kurz zuvor 15 Jahre alt geworden – war die Familie praktisch mittellos, aber in Sicherheit. Alle drei Familienmitglieder überlebten die NS-Verfolgung im Exil im brasilianischen São Paulo.

Herbert Max Bukofzer wurde am 29. Februar 1924 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Fleischermeisters Alexander Bukofzer und der Ella Bukofzer, geb. Groß. Aus erster Ehe seines Vaters hatte Herbert noch einen Halbbruder namens Heinz, der etwa zehn Jahre älter als Herbert war und 1927 mit 14 Jahren verstarb. Herberts Vater stammte ursprünglich aus Bromberg (dem heutigen Bydgoszcz), wo er, genau wie Herberts Großvater Hermann Bukofzer, eine Schlachterei geführt hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg war der inzwischen verwitwete Alexander Bukofzer mit seinem Sohn Heinz nach Berlin gezogen und hatte dort im November 1922 erneut geheiratet. Zum Zeitpunkt der Geburt von Herbert lebte die Familie in einer 7-Zimmer-Wohnung in der Klopstockstraße 20 im Hansaviertel. Alexander Bukofzer unterhielt einen Stand als Großschlächter und Großhändler auf dem Berliner Zentralvieh- und Schlachthof und sicherte der Familie damit Einnahmen, mit welchem sie im Berlin der Weimarer Republik zum gutbürgerlichen Mittelstand zählte. Herbert Bukofzer wurde im April 1930 eingeschult, später besuchte er die Jüdische Mittelschule in der Großen Hamburger Straße 27 (heute das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn). Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie bis 1933 geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Herbert Max Bukofzer und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Herbert Max Bukofzer hat die Diskriminierungen unmittelbar im Bildungswesen zu spüren bekommen. Bereits 1933 war dem 9-Jährigen mit dem „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ die Chance auf einen höheren Bildungszweig versperrt worden. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und nach den Pogromen im November 1938 wurde jüdischen Schülern der Besuch von öffentlichen Schulen grundsätzlich verboten. Da es sich bei der von Herbert Bukofzer besuchten Mittelschule um eine Schule der Jüdischen Gemeinde handelte, konnte er seine Ausbildung vorerst weiterführen. Seit 1933 war sein Vater als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Im Jahr 1938 musste er seinen Stand auf dem Zentralen Viehhof aufgeben. Zuvor hatte er noch versucht diesen zu verkaufen, hatte dafür aber keine Genehmigung erhalten. Im November 1938 wurde Herberts Vater in Berlin verhaftet und vom 11. November 1938 bis zum 7. Dezember 1938 als Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Vermutlich musste er vor seiner Entlassung zustimmen, dass Land schnellstmöglich und unter Aufgabe seines Vermögens zu verlassen. Alexander Bukofzer gelang es für sich, seine Ehefrau und seinen Sohn Visa zu erhalten. Als sie Deutschland am 26. März 1939 in Richtung Südamerika verlassen konnten – Hebert war kurz zuvor 15 Jahre alt geworden – war die Familie praktisch mittellos, aber in Sicherheit. Alle drei Familienmitglieder überlebten die NS-Verfolgung im Exil im brasilianischen São Paulo.