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Salomo Goldstein

Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
VERLEGEORT
Schlüterstr. 54

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
23.09.2010

GEBOREN
16.12.1866 in Klein Silkow / Żelkówko
DEPORTATION
am 29.11.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
01.12.1942 in Auschwitz

Salomo Goldstein kam am 16. Dezember 1866 in Pommern, im Ort Klein Silkow bei Stolp, auf die Welt. Spätestens in den 1880er Jahren kam er nach Berlin und gründete bald eine Firma, die mit Leinen- und Baumwollwaren en gros handelte. Bald spezialisierte er sich auf Futterstoffe für die Konfektion. Das Geschäft war erst in der Heiligegeiststraße (heute unter dem Marx-Engels-Forum verschwunden), später am Werderschen Markt 7. Er beschäftigte zehn bis zwölf Angestellte plus mehrere „Reisende“, also Vertreter. Salomo selbst, der sich damals Sally nannte, wohnte in der Neuen Friedrichstraße und in der Kaiser-Wilhelm-Straße, heute Karl-Liebknecht-Straße. Auch die Neue Friedrichstraße ist dem Umbau des alten Stadtkerns in den 1960er und Anfang der 1970er Jahre zum Opfer gefallen.

Salomo Goldstein heiratete die sechs Jahre jüngere Sophie Freudenberg, die aus Johannisburg in Ostpreußen stammte. Mit ihr hatte er zwei Kinder, Käte, geboren am 29. September 1903, und Walter. 1913 zog die Familie in die Lessingstraße 5, im Hansaviertel. Käthe heiratete später den Juristen Georg Winterfeld. Im April 1934 starb Sophie und Salomo Goldstein zog zu Tochter und Schwiegersohn in die Binger Straße 39. Sein Geschäft hatte er inzwischen an den Hausvogteiplatz 8 verlegt. 1937 sah er sich gezwungen, den Handel ganz aufzugeben: die meisten seiner Kunden kamen aus der Konfektion und waren selbst Juden – durch die Einschränkungen des NS-Regimes für das jüdische Gewerbe sahen sie sich nicht mehr in der Lage, bei Goldstein Stoffe einzukaufen. Anfang 1938 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht.

Im Dezember 1938 – Lebensumstände für Juden waren inzwischen überhaupt schwieriger geworden – emigrierten Käte und Georg Winterfeld nach Norwegen. Auch Sohn Walter war um diese Zeit in die USA ausgewandert. Salomo Goldstein blieb zurück und mietete sich in der Pension Phiebig in der Schlüterstraße 54 ein. Dort wohnte er, bis er im März 1940 zu seiner Tochter nach Oslo flüchtete. Aber schon im April besetzte die deutsche Wehrmacht Norwegen und Dänemark. Die Besatzer hielten sich zunächst mit antijüdischen Maßnamen zurück. Als jedoch im Februar 1942 die faschistische Regierung der „Nasjonal Samling“ mit Vidkun Quisling eingesetzt wurde, änderte sich das. Diese Regierung kollaborierte bereitwillig mit den Deutschen bezüglich der Judenverfolgung. Anfang Oktober 1942 wurden zunächst in Mittelnorwegen Juden verhaftet und in Lager interniert. Am 26. Oktober unterzeichnete das Regime ein „Gesetz zur Beschlagnahme jüdischen Vermögens“, an den folgenden Tagen sollten – auch in Oslo - alle männlichen Juden verhaftet und in dem Konzentrationslager Berg interniert werden, in Erwartung ihrer Deportation.

Anders als bisher angenommen und wie im Gedenkbuch des Bundesarchivs irrtümlich beschrieben, gehörte Salomo Goldstein nicht zu den am 26. November mit dem Schiff nach Stettin und weiter nach Auschwitz Verschleppten. Insofern ist die Inschrift des Stolpersteins falsch und soll berichtigt werden. Über das Gesetz, das die Deportation ankündigte, war am 26. Oktober 1942 in den norwegischen Zeitungen berichtet worden. Offenbar hatte auch Salomo Goldstein darüber gelesen. „An diesem Tage nahm er sich, um der Deportation nach Auschwitz zu entgehen, das Leben“, berichtete seine Tochter nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde von ihr am nächsten Morgen tot aufgefunden, nachdem er eine Überdosis Schlafmittel eingenommen hatte. Eine Abschrift der norwegischen Sterbeurkunde gab sie später zu den Akten. Käte und Georg Winterfeld gelang noch im gleichen Jahr 1942 die Weiterflucht nach Schweden.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Micaela Haas