Selma Conitzer geb. Cohn

Verlegeort
Duisburger Str. 5
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
23. November 2021
Geboren
29. September 1875 in Reichenbach, Königsberg (Ostpreußen) / Rychliki
Deportation
am 02. April 1942 in das Warschauer Ghetto
Ermordet
Biografie

Selma Conitzer geb. Cohn, war die ältere Schwester von Meta Cohn. Sie wurde am 29. September 1875 ebenfalls in Reichenbach im damaligen Regierungsbezirk Königsberg, Ostpreußen (heute: Województwo Warmińsko-Mazurskie, Woiwodschaft Ermland-Masuren), geboren. Nach dem Tod ihres Ehemannes Moritz 1938 zog sie in die große Wohnung ihrer Schwester, wo auch bereits ihre ledige Nichte Herta Marcus wohnte. 

Auch Selma war vermögend, erhielt aber – vermutlich nach dem Tod ihres Mannes - von den Nationalsozialisten die Weisung, dass sie sich „jeder Verfügung über ihr Vermögen zu enthalten habe". Auch ihr war also der Zugriff auf ihre Vermögenswerte gesperrt, die später – wie das Vermögen aller Familienangehörigen - von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden. Dies war der erste Schritt zur späteren Enteignung „zugunsten des Deutschen Reiches“.

Selma Conitzer wurde am 1. Juli 1939 zusammen mit ihrer Schwester Meta Cohn und der Nichte Herta Marcus zwangsweise in die Güntzelstraße 15 umgesiedelt. Sie musste sich in der erst 1914 eingeweihten und seit 1941 von den Nationalsozialisten als „Sammelstelle“ missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 im damaligen Bezirk Tiergarten (heute Moabit) einfinden. Von dort wurde sie – wie auch ihr Neffe Martin Conitzer - am 2. April 1942 mit dem sog. „XII. Osttransport“ in das Ghetto Warschau deportiert. Insgesamt wurden mit diesem Transport 1010 jüdische Menschen aus Berlin und dem Regierungsbezirk Frankfurt/Oder deportiert.

Im Ghetto Warschau waren damals ca. 500 000 Menschen eingepfercht - nicht nur Juden aus Warschau und den besetzten Gebieten Polens. Es diente als Sammelstelle für Juden aus dem deutschen Reichsgebiet und anderen besetzten Ländern auf dem Weg in die Vernichtungslager. Ab dem 22.7.1942 wurden die meisten Menschen aus dem Ghetto in der „Großen Aktion“ der SS in das Vernichtungslager Treblinka weiter verschleppt und dort umgebracht.

Der Todestag von Selma Conitzer geb. Cohn, die in der Transportliste fälschlicherweise als geb. Conitzer verzeichnet ist, ist nicht bekannt. Man weiß daher nicht, ob sie bereits an den unsäglichen, menschenunwürdigen und lebensfeindlichen Bedingungen im Ghetto Warschau verstarb oder noch den weiteren Transport nach Treblinka erleiden musste. Im (unvollständigen) Totenbuch des Vernichtungslagers Treblinka ist sie nicht aufgeführt.