Siegbert Conitzer

Verlegeort
Duisburger Str. 5
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
23. November 2021
Geboren
20. Mai 1906 in Jeschewo, Kreis Schwetz (Westpreußen) / Jeżewo
Deportation
am 19. April 1943 nach Auschwitz
Ermordet
im Vernichtungslager Auschwitz
Biografie

Siegbert Conitzer wurde am 20. Mai 1906 in Jeschewo, Kreis Schwetz im damaligen Westpreußen geboren. Er war der ältere Bruder von Martin Conitzer, der 1911 ebenfalls in Jeschewo zur Welt kam. Jeschewo lag im damaligen Kreis Schwetz an der Weichsel in der Provinz Westpreußen. Aufgrund des Versailler Vertrages von 1920 fiel dieses Gebiet der wieder gegründeten Polnischen Republik zu und gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Pommern (Województwo Pomorskie) mit der Hauptstadt Danzig (Gdansk).

Wann er nach Berlin kam, ist ebensowenig bekannt wie der Zeitpunkt, zu dem er in die Wohnung von Meta Cohn einzog, in der auch sein Bruder Martin und seine Tante Selma zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 17. Mai 1939 gemeldet waren. 

Von Siegbert Conitzer wissen wir, dass auch er über Vermögenswerte verfügte und dass auch er für 28 RM in der Woche Zwangsarbeit leisten musste. In welchem Betrieb und zu welcher genauen Zeit er dort geschunden wurde, war nicht herauszufinden. 

Er verfügte – möglicherweise aus Sicherheitsgründen - über ein möbliertes Zimmer als Zweitwohnung in einem Mietshaus in der Rosenstraße 5-6 im Bezirk Mitte, einem Nachbarhaus des Gebäudes der ehemaligen „Behörde für Wohlfahrtswesen und Jugendfürsorge” der Jüdischen Gemeinde mit der Hausnummer 2-4. In diesem Haus wurden nach der sog. “Fabrikaktion” am 27. Februar 1943 ca. 2000 jüdische Menschen, die noch in Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisteten, vor der geplanten Deportation inhaftiert. Viele von ihnen waren bis dahin „verschont” geblieben, da sie u.a. durch die Arbeit in Rüstungsbetrieben, aber auch durch Ehe oder Beziehungen zu nichtjüdischen PartnerInnen geschützt waren. Die meisten wurden durch den “Protest in der Rosenstraße” wieder freigelassen und somit vorübergehend vor der sofortigen Deportation gerettet. Frauenprotest in der Rosenstrasse - 27. Februar 1943 (berlin-judentum.de) 

Siegbert Conitzer wurde aus der Rosenstraße 5-6 in das als Sammellager missbrauchte ehemalige jüdische Altenheim in der Großen Hamburger Straße 26 verbracht und von dort mit dem sog. „37.Osttransport” am 19. April 1943 mit 687 weiteren jüdischen Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.