Flora Aronsbach geb. Flieg

Verlegeort
Große Hamburger Str. 29
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2005
Geboren
29. Juni 1869
Deportation
am 17. März 1943 nach Theresienstadt
Tot
17. Mai 1943 im Ghetto Theresienstadt
  • Stolperstein Flora Aronsbach  © OTFW
    Stolperstein Flora Aronsbach © OTFW

    Stolperstein Flora Aronsbach © OTFW

Flora Flieg wurde am 29. Juni 1869 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Schneidermeisters Michael Josef Flieg und der Amalie Martha Flieg, geb. Habermann. Über das Elternhaus, die Jugend und Kindheit von Flora Flieg haben sich keine Quellen erhalten. Es ist auch nicht bekannt, ob sie noch Geschwister hatte. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins. Nach ihrem Schulabschluss war Flora als Schneiderin in Berlin tätig.<br />
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Am 8. Oktober 1896 heiratete sie den Berliner Buchbinder Leo Aronsbach und nahm sich mit ihm eine Wohnung in der Pestalozzistraße 71 in Charlottenburg. Hier kam am 9. November 1897 ihre Tochter Margarethe zur Welt. 1899 zogen die Aronsbachs in die Große Hamburger Straße 33, wo am 21. Juni 1901 die Tochter Lina geboren wurde. Ein Schicksalsschlag ereilte die Familie ein Jahr später, als die vierjährige Tochter Margarethe im Juni 1902 im Jüdischen Krankenhaus verstarb. Am 27. Juli 1904 bekamen die Eheleute eine weitere Tochter, der sie den Namen Ruth gaben. Inzwischen lebten die Aronsbachs in einer Wohnung in der Auguststraße 26b, wohin Leo Aronsbach auch die 1896 von ihm gegründete „Buchbinderei, Perforier-, Paginier- & Etiketten-Schneideanstalt“ verlegt hatte. In den Jahren bis zum Ende des Ersten Weltkriegs sollte die Familie noch mehrfach umziehen: 1907 in die Große Hamburger Straße 29, 1910 in die Rosenthaler Straße 36, 1913 in die Rosenthaler Straße 10, 1914 in die Auguststraße 32 und 1918 schließlich in eine Wohnung in der dritten Etage der Raumerstraße 9 im Prenzlauer Berg.<br />
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Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs verstarb im Oktober 1919 Floras Schwiegervater Moritz Aronsbach in Berlin. Ihre verwitwete Schwiegermutter Ottilie wohnte, bis zu ihrem Tod im Jahr 1935, in der Raumerstraße 21 – fußläufig zu Leo und Flora Aronsbach, die die ältere Frau möglicherweise in ihren letzten Lebensjahren pflegten. Floras Tochter Lina hatte nach einer Scheidung in zweiter Ehe den aus Strasburg an der Drewenz (Brodnica) stammenden Klempnermeister Markus Hirschfeld geheiratet und mit ihm in Wiesbaden eine Tochter, Käthe Hirschfeld, bekommen. Kurz nach der Geburt zogen Lina und Markus Hirschfeld mit ihrem Kind nach Berlin in die Palisadenstraße 55 in Friedrichshain. Floras jüngere Tochter Ruth begann nach ihrem Schulabschluss eine kaufmännische Lehre und war anschließend in Berlin als Buchhalterin tätig. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie im Berlin der Weimarer Republik geben könnten.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Flora Aronsbach und ihre Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre hatte die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen massiv zugenommen. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mit Hilfe staatlicher Autorität, Erlasse und Sondergesetze drängten Flora Aronsbach zunehmend in die Position einer Rechtlosen. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Spätestens seit den 1940er-Jahren musste Floras Ehemann außerdem Zwangsarbeit leisten. Er war bei der Möbelfabrik Stolzenberg in der Lindenstraße 68 in Kreuzberg eingesetzt. Die Tochter Ruth wohnte zusammen mit ihrem Ehemann Kurt Herzog ebenfalls in der Wohnung von Leo und Flora Aronsbach in der Raumerstraße 9, dort brachte sie am 19. Dezember 1941 ihren Sohn Gideon zur Welt.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Flora Aronsbach und ihr Ehemann erhielten den Deportationsbescheid im Frühjahr 1943. Sie mussten ihre langjährige Wohnung in der Raumerstraße 9 verlassen und wurden in einem der Berliner Sammellager interniert. Von dort aus wurden sie am 17. März 1943 mit dem „4. großen Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Flora Aronsbach wurde im Mai 1943 in Theresienstadt ermordet. Ihr 71-jähriger Mann Leo wurde am 16. Mai 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort unmittelbar nach seiner Ankunft ermordet.<br />
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Die Töchter und Enkelkinder von Leo und Flora Aronsbach wurden alle nach Auschwitz deportiert und dort ermordet: Ruth, ihr Mann Kurt Herzog und ihr einjähriger Sohn Gideon bereits im Februar 1943, Lina, ihr Mann Markus Hirschfeld und ihre Tochter Käthe am 17. Mai 1943.

Flora Flieg wurde am 29. Juni 1869 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Schneidermeisters Michael Josef Flieg und der Amalie Martha Flieg, geb. Habermann. Über das Elternhaus, die Jugend und Kindheit von Flora Flieg haben sich keine Quellen erhalten. Es ist auch nicht bekannt, ob sie noch Geschwister hatte. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins. Nach ihrem Schulabschluss war Flora als Schneiderin in Berlin tätig.

Am 8. Oktober 1896 heiratete sie den Berliner Buchbinder Leo Aronsbach und nahm sich mit ihm eine Wohnung in der Pestalozzistraße 71 in Charlottenburg. Hier kam am 9. November 1897 ihre Tochter Margarethe zur Welt. 1899 zogen die Aronsbachs in die Große Hamburger Straße 33, wo am 21. Juni 1901 die Tochter Lina geboren wurde. Ein Schicksalsschlag ereilte die Familie ein Jahr später, als die vierjährige Tochter Margarethe im Juni 1902 im Jüdischen Krankenhaus verstarb. Am 27. Juli 1904 bekamen die Eheleute eine weitere Tochter, der sie den Namen Ruth gaben. Inzwischen lebten die Aronsbachs in einer Wohnung in der Auguststraße 26b, wohin Leo Aronsbach auch die 1896 von ihm gegründete „Buchbinderei, Perforier-, Paginier- & Etiketten-Schneideanstalt“ verlegt hatte. In den Jahren bis zum Ende des Ersten Weltkriegs sollte die Familie noch mehrfach umziehen: 1907 in die Große Hamburger Straße 29, 1910 in die Rosenthaler Straße 36, 1913 in die Rosenthaler Straße 10, 1914 in die Auguststraße 32 und 1918 schließlich in eine Wohnung in der dritten Etage der Raumerstraße 9 im Prenzlauer Berg.

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs verstarb im Oktober 1919 Floras Schwiegervater Moritz Aronsbach in Berlin. Ihre verwitwete Schwiegermutter Ottilie wohnte, bis zu ihrem Tod im Jahr 1935, in der Raumerstraße 21 – fußläufig zu Leo und Flora Aronsbach, die die ältere Frau möglicherweise in ihren letzten Lebensjahren pflegten. Floras Tochter Lina hatte nach einer Scheidung in zweiter Ehe den aus Strasburg an der Drewenz (Brodnica) stammenden Klempnermeister Markus Hirschfeld geheiratet und mit ihm in Wiesbaden eine Tochter, Käthe Hirschfeld, bekommen. Kurz nach der Geburt zogen Lina und Markus Hirschfeld mit ihrem Kind nach Berlin in die Palisadenstraße 55 in Friedrichshain. Floras jüngere Tochter Ruth begann nach ihrem Schulabschluss eine kaufmännische Lehre und war anschließend in Berlin als Buchhalterin tätig. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie im Berlin der Weimarer Republik geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Flora Aronsbach und ihre Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre hatte die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen massiv zugenommen. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mit Hilfe staatlicher Autorität, Erlasse und Sondergesetze drängten Flora Aronsbach zunehmend in die Position einer Rechtlosen. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Spätestens seit den 1940er-Jahren musste Floras Ehemann außerdem Zwangsarbeit leisten. Er war bei der Möbelfabrik Stolzenberg in der Lindenstraße 68 in Kreuzberg eingesetzt. Die Tochter Ruth wohnte zusammen mit ihrem Ehemann Kurt Herzog ebenfalls in der Wohnung von Leo und Flora Aronsbach in der Raumerstraße 9, dort brachte sie am 19. Dezember 1941 ihren Sohn Gideon zur Welt.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Flora Aronsbach und ihr Ehemann erhielten den Deportationsbescheid im Frühjahr 1943. Sie mussten ihre langjährige Wohnung in der Raumerstraße 9 verlassen und wurden in einem der Berliner Sammellager interniert. Von dort aus wurden sie am 17. März 1943 mit dem „4. großen Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Flora Aronsbach wurde im Mai 1943 in Theresienstadt ermordet. Ihr 71-jähriger Mann Leo wurde am 16. Mai 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort unmittelbar nach seiner Ankunft ermordet.

Die Töchter und Enkelkinder von Leo und Flora Aronsbach wurden alle nach Auschwitz deportiert und dort ermordet: Ruth, ihr Mann Kurt Herzog und ihr einjähriger Sohn Gideon bereits im Februar 1943, Lina, ihr Mann Markus Hirschfeld und ihre Tochter Käthe am 17. Mai 1943.