Keila Katz wurde am 21. November 1899 in Jaskowicz, Galizien (das historische Galizien umfasst heute das südliche Polen und den Westen der Ukraine) geboren.
Ihre Eltern, der Schneider Juda Leib Katz und Laja, geb. Pomeranz, (*1878 in Jaskowicz), hatten um 1896 in Galizien, das damals zur österreich-ungarischen Doppelmonarchie gehörte, geheiratet.
Keila hatte drei Geschwister: Die Schwester Mincza (*1897) wurde noch in Galizien geboren. Der Bruder Abraham (*1902) und die Schwester Frieda (*1906) kamen bereits in Berlin zur Welt. Um das Jahr 1900 war die junge Familie ins Berliner Scheunenviertel gezogen.
Der Vater Juda Leib Katz muss vor 1916 verstorben sein, denn als die 19-jährige Schwester Mincza im August 1916 den Tischler David Neutuch heiratete, war der Vater bereits tot. Die Familie wohnte zu dieser Zeit in der Ackerstraße in Berlin-Mitte.
Die 38-jährige verwitwete Laja musste nun ihre Familie allein durchbringen. Sie zog 1918 mit ihren übrigen Kindern in die Kastanienallee 73 in Prenzlauer Berg und betrieb dort bis 1932 eine Möbelhandlung.
Am 26. Oktober 1921 heiratete Keila den Tischler Majer Trattner (*1892 in Wapowic im heutigen Polen). Zum Zeitpunkt der Eheschließung wohnte Majer in der Nachbarschaft der Familie Katz in der Kastanienallee 66. Das Paar bekam zwei Kinder: 1926 den Sohn Leo und 1927 die Tochter Margot.
Ab 1933 firmierte die neue Firma Katz & Trattner Möbelhandlung in der Kastanienallee 74. Laja hatte ihr Geschäft mit dem Schwiegersohn zusammengelegt und war ins Nebenhaus gezogen.
Im Zuge der antisemitischen Maßnahmen in Deutschland musste das Familienunternehmen 1938 schließen.
Da Majer Trattner polnischer Staatsbürger war, wurde er vermutlich im Herbst 1938 im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ aus Deutschland ausgewiesen. In der im Mai 1939 in Deutschland durchgeführten Volkszählung wurden Keila und die Kinder Leo und Margot noch unter der Anschrift Kastanienallee 74 erfasst. Keila Trattner war also mit den Kindern bei der Mutter geblieben.
Nachdem vor allem männliche Personen im Oktober/November 1938 von den deutschen Behörden verhaftet und in der Folge nach Polen abgeschoben wurden, stellte Deutschland die Ausweisungen nach polnischen Protesten wieder ein. Im Januar 1939 schlossen beide Länder eine Vereinbarung, die es rund 6000 Angehörigen der Abgeschobenen ermöglichte, diesen nachzufolgen.
Im Juni 1939 wurden beide Kinder von der Schule abgemeldet mit dem Vermerk: Abmeldung nach Polen. Die in Berlin verbliebene Familie folgte dem Vater damit im Sommer 1939 nach Polen.
Nach Angaben der Schwester Mincza, nun verheiratete Neutuch, hatte die Familie im polnischen Przemysl ihren letzten Wohnsitz.
Man muss davon ausgehen, dass sie nach dem deutschen Überfall auf Polen ab 1940 in den in vielen polnischen Städten von den Deutschen eingerichteten jüdischen Ghettos eingepfercht wurden und dort unter menschenunwürdigen Lebensumständen umkamen oder ermordet wurden.
Die Schwester Mincza und der Bruder Abraham haben den Holocaust überlebt. Sie stellten 1959 aus Israel Wiedergutmachungsanträge bei den westdeutschen Behörden und versuchten, über das Internationale Rote Kreuz etwas über das Schicksal ihrer Schwester Keila und deren Familie zu ermitteln.
1977 beschied das ITS Arolsen Ihnen abschließend, dass die Schicksale der Trattners nicht geklärt werden könnten.
Laja und Frieda Katz wurden am 15. August 1942 mit dem „18. Osttransport“ nach Riga deportiert und am 18. August 1942 in den Wäldern von Rumbula, einem Stadtteil Rigas, in einer Massenerschießung ermordet.
Für Majer, Keila, Leo und Margot Trattner wurden in der Kastanienallee 74 auf Initiative des Eigentümers Stolpersteine verlegt.
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