Margot Trattner

Verlegeort
Kastanienallee 74
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
04. April 2022
Geboren
26. November 1927 in Berlin
Abgeschoben
von Juni 1939 nach Polen
Ermordet
in Polen
Biografie

Margot Trattner wurde am 26. November 1927 in Berlin geboren.

Ihre Eltern, der Kaufmann Majer Trattner und Keila, geb. Katz, heirateten am 26. Oktober 1921 in Berlin-Prenzlauer Berg. Beide wohnten in der Kastanienallee; der Vater in der Nr. 66, die Mutter in der Nr. 73.

Margot hatte einen älteren Bruder, den um eineinhalb Jahre älteren Leo.

Ostern 1934 wurde Margot in die 15. Volksschule eingeschult, die seit 1932 auch ihr Bruder besuchte.

Die Großmutter Laja Katz betrieb ab 1933 mit dem Vater Majer Trattner die Katz & Trattner Möbelhandlung in der Kastanienallee 74.

Vermutlich wohnte die Familie Trattner auch bei der Großmutter, denn der Vater Majer Trattner taucht in den Berliner Adressbüchern nie als Haushaltsvorstand auf.

Im Zuge der antisemitischen Maßnahmen in Deutschland musste das Familienunternehmen 1938 schließen.

Da Majer Trattner polnischer Staatsbürger war, wurde er vermutlich im Herbst 1938 im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ aus Deutschland ausgewiesen. In der im Mai 1939 in Deutschland durchgeführten Volkszählung wurden Keila und die Kinder Leo und Margot noch unter der Anschrift Kastanienallee 74 erfasst. Keila Trattner war also mit den Kindern bei der Mutter geblieben. 

Nachdem vor allem männliche Personen im Oktober/November 1938 von den deutschen Behörden verhaftet und in der Folge nach Polen abgeschoben wurden, stellte Deutschland die Ausweisungen nach polnischen Protesten wieder ein. Im Januar 1939 schlossen beide Länder eine Vereinbarung, die es rund 6000 Angehörigen der Abgeschobenen ermöglichte, diesen nachzufolgen. 

Im Juni 1939, Margot hatte die 5. Klasse und Leo die 7. Klasse beendet, wurden beide Kinder von der Schule abgemeldet mit dem Vermerk: Abmeldung nach Polen. 

Die Familie Trattner nahm ihren Wohnsitz in Przemyśl in Polen. Dies geht so aus den Angaben von Mincza Neutuch, der Tante von Margot mütterlicherseits, hervor, die sie in ihrem Wiedergutmachungsantrag von 1959 machte.

Man muss davon ausgehen, dass die Trattners nach dem deutschen Überfall auf Polen ab 1940 in einem der von den Besatzern eingerichteten jüdischen Ghettos eingepfercht wurden. Dort sind sie sehr wahrscheinlich unter den menschenunwürdigen Lebensumständen umgekommen oder ermordet worden.

Auch Margots Onkel mütterlicherseits, Abraham, überlebte den Holocaust.

Er und Mincza versuchten über das Internationale Rote Kreuz etwas über das Schicksal ihrer Nichte Margot und deren Familie zu ermitteln.

1977 beschied das ITS Arolsen Ihnen abschließend, dass das Schicksal der Trattners nicht geklärt werden konnte.

Für Majer, Keila, Leo und Margot Trattner wurden in der Kastanienallee 74 auf Initiative des Eigentümers Stolpersteine verlegt.

Margots Großmutter Laja und ihre Tante Frieda Katz wurden am 15. August 1942 mit dem „18. Osttransport“ nach Riga deportiert. Dort wurden sie am 18. August 1942 in den Wäldern von Rumbula, einem Stadtteil Rigas, in einer Massenerschießung ermordet.