Martin Cohn wurde am 20. März 1897 in Schulitz (heute Solec Kujawski/Polen) im Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen geboren. Über die Eltern und seine ersten Lebensjahrzehnte wissen wir nichts.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die Stadt an das neu gegründete Polen und wurde Teil des sogenannten „polnischen Korridors“. Für die deutsche Minderheit wurde das Leben danach schwierig. Manche wurden in das Gebiet des Deutschen Reiches umgesiedelt, die verbliebene deutsche Minderheit war in der Folgezeit häufig Repressionen ausgesetzt. Um 1924 entschied sich auch Martins Mutter (vom Vater ist keine Rede) mit ihrem Sohn und ihrer Tochter Ada (*1901) ins Deutsche Reich überzusiedeln.
Die Familie zog nach Arnswalde (heute Choszczno/Polen) in Brandenburg, Regierungsbezirk Frankfurt/Oder. Dort wohnten sie in der Steintorstraße 15, einem Wohn- und Geschäftshaus, das im Besitz einer Tante der beiden Kinder stand. Frau Gerber betrieb dort ein ‚Zeuggeschäft‘. Martin Cohn übernahm die Leitung dieses Geschäftes, bis die Tante es nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verkaufte. In dieser Situation verzog Martin nach Berlin, wo er in der Anonymität der Großstadt hoffte, als Jude nicht so stark aufzufallen, wie in der brandenburgischen Provinz. Er eröffnete in der Nähe des ehemaligen Exerzierplatzes des Alexander-Garde-Grenadierregiments an der Schönhauser Allee ein Geschäft. Welcher Art dieses Geschäft war, ist unbekannt.
Außerdem lebte bereits die erheblich ältere Schwester Martins, Else (*1883) in Berlin. Sie war verheiratet und hatte mit ihrem Ehemann Moritz Szamatolski drei Töchter: Käte, Anni und Irene. Die Familie lebte seit 1924 in der Pappelallee 44.
Bei der Volkszählung im Frühjahr 1939 war Martin Cohn im Gerichtsgefängnis in der Wilhelmstraße 7 in Meseritz, dem heutigen Międzyrzecz in der Woiwodschaft Posen, inhaftiert. Wie er dahin kam und warum er inhaftiert war, ist nicht bekannt.
1940 wohnten Martin und seine Schwester Ada in der Pappelallee 44 bei ihrer Schwester Else. Deren Wohnung war mittlerweile völlig überbelegt. Außer Else und Moritz lebten die beiden Töchter Irene und Käte, letztere mit ihrem Ehemann Erwin Wolff dort. Als Untermieter komplettierten das Ehepaar Louis und Pesi Riwe Sommerfeld die völlig beengten Wohnverhältnisse: neun Erwachsene in einer Vierzimmerwohnung.
Am Abend des 27. Mai 1942 wurde Martin Cohn ohne ersichtlichen Grund von der Gestapo verhaftet.
Seine Verhaftung erfolgte als Teil einer „Racheaktion“ wegen des Anschlags der Widerstandsgruppe um Herbert Baum auf die Hetzausstellung „Das Sowjet-Paradies“ im Berliner Lustgarten. Er und 153 weitere jüdische Männer aus Berlin wurden in das KZ Sachsenhausen geschafft und dort am 28. Mai 1942 erschossen. Am folgenden Tag wurden weitere 96 jüdische Männer erschossen, ausgesucht aus den Insassen des Lagers, so dass insgesamt 250 jüdische Männer in dieser von Goebbels initiierten Vergeltung starben.
Die anschließend von der Vermögensverwertungsstelle beim Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg durchgeführte „Vermögensverwertung“ kam zum abschließenden Ergebnis: „Kein Vermögen“. Die Akte wurde schließlich am 10.11.1944 geschlossen und später vernichtet. Erhalten blieb ein sogenanntes Vermögensverzeichnis, eine Art „Schlussabrechnung“.
Die Schwester Ada Cohn überlebte ihren Bruder nur kurz. Am 9. Dezember 1942 wurde Ada zusammen mit Elsa und ihren beiden Töchtern Irene und Käte sowie deren Ehemann vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit mit dem „24. Osttransport“ nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Alle wurden in Auschwitz ermordet. Das Schicksal der Mutter bleibt ungeklärt.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.