Bianca Zobel

Verlegeort
Sybelstr. 39
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
08. November 2011
Geboren
10. August 1865
Deportation
am 25. August 1942 nach Theresienstadt
Ermordet
09. November 1944 in Theresienstadt
  • Foto: F.Siebold
    Foto: F.Siebold

    Foto: F.Siebold

Bianca Zobel, geboren am 10. August 1865 in Krotoschin (Schlesien), war ledig, bezog eine ärmliche Rente in Höhe von 27,10 Reichsmark und hatte angeblich für 30 Reichsmark ein möbliertes Zimmer von der „Untervermieterin Frau Levy“ gemietet. Da dies mehr als ihre monatlichen Einkünfte waren, ist denkbar, dass die Angabe nicht stimmt.<br />
<br />
Bevor Bianca Zobel am 11. August 1942 abgeholt und in ein Sammellager, ins ehemalige Jüdische Altersheim an der Großen Hamburger Straße, gebracht wurde, musste sie eine 16 Seiten lange „Vermögenserklärung“ ausfüllen. Was hatte eine 77jährige Frau, die nach heutigen Begriffen unter der Armutsgrenze lebte, schon hineinzuschreiben? In die Spalte „Gesamtvermögen“ trug sie in fein säuberlicher Handschrift ein: „Bargeldbestand RM 10.50 im Hause“. Das schien den Nazi-Behörden wohl nicht glaubhaft. Denn die Geheime Staatspolizei verfügte am 1.8.1942: „Das gesamte Vermögen wird … zugunsten des Deutschen Reichs eingezogen.“ Unterschrieben war dieses bürokratische Schriftstück von einem Beamten namens Scheffler, der gleich drei Gestapo-Stempel auf dieses sinn- und nutzlose Papier drückte.<br />
<br />
Die amtliche Mitteilung, über die Bianca Zobel sich gewundert haben dürfte, wurde ihr am 24.8.1942 zugestellt, als sie sich schon seit 13 Tagen unter grauenvollen Umständen in dem überfüllten Sammellager befand, wo die Deportationslisten für die Züge in den Osten zusammengestellt wurden. Am 24. August 1942 wurde sie auf dem Anhalter Bahnhof in einen von zwei mit je 50 Menschen vollbesetzten Waggon gezwängt, die an einen planmäßigen Zug in Richtung Dresden-Prag angehängt wurden. Seit dem 2. Juni waren schon 50 solcher Transporte aus der damaligen Reichshauptstadt nach Böhmen abgegangen.<br />
<br />
Einige Zeit nach ihrem Abtransport begaben sich einige Herren in ihr Zimmer in der Sybelstraße 39, an der Spitze der Gerichtsvollzieher Schüler aus Wittenau, die nach verwertbarem Vermögen fahndeten. Auf einem roten Formblatt trug Schüler am 9.10.1942 in der Spalte „Inventar“ entnervt mit Bleistift ein: „Fehlanzeige“. Trotzdem brauchten er und seine Begleiter, wie vermerkt wurde, „von 13.30 bis 14 Uhr“, um das Zimmer – und vielleicht die Wohnung – zu durchsuchen. Sie fanden nichts. Bianca Zobel hat sie wohl genarrt.<br />
<br />
Noch länger als zwei Jahre überlebte Bianca Zobel, die für ihr Alter offenbar eine gute Konstitution hatte, im Ghetto Theresienstadt, wo tausende Jüdinnen und Juden eingesperrt waren. Erst am 9. November 1944 hat sie dieses grauenvolle Dasein nicht mehr ertragen müssen, da war sie schon 79 Jahre alt.

Bianca Zobel, geboren am 10. August 1865 in Krotoschin (Schlesien), war ledig, bezog eine ärmliche Rente in Höhe von 27,10 Reichsmark und hatte angeblich für 30 Reichsmark ein möbliertes Zimmer von der „Untervermieterin Frau Levy“ gemietet. Da dies mehr als ihre monatlichen Einkünfte waren, ist denkbar, dass die Angabe nicht stimmt.

Bevor Bianca Zobel am 11. August 1942 abgeholt und in ein Sammellager, ins ehemalige Jüdische Altersheim an der Großen Hamburger Straße, gebracht wurde, musste sie eine 16 Seiten lange „Vermögenserklärung“ ausfüllen. Was hatte eine 77jährige Frau, die nach heutigen Begriffen unter der Armutsgrenze lebte, schon hineinzuschreiben? In die Spalte „Gesamtvermögen“ trug sie in fein säuberlicher Handschrift ein: „Bargeldbestand RM 10.50 im Hause“. Das schien den Nazi-Behörden wohl nicht glaubhaft. Denn die Geheime Staatspolizei verfügte am 1.8.1942: „Das gesamte Vermögen wird … zugunsten des Deutschen Reichs eingezogen.“ Unterschrieben war dieses bürokratische Schriftstück von einem Beamten namens Scheffler, der gleich drei Gestapo-Stempel auf dieses sinn- und nutzlose Papier drückte.

Die amtliche Mitteilung, über die Bianca Zobel sich gewundert haben dürfte, wurde ihr am 24.8.1942 zugestellt, als sie sich schon seit 13 Tagen unter grauenvollen Umständen in dem überfüllten Sammellager befand, wo die Deportationslisten für die Züge in den Osten zusammengestellt wurden. Am 24. August 1942 wurde sie auf dem Anhalter Bahnhof in einen von zwei mit je 50 Menschen vollbesetzten Waggon gezwängt, die an einen planmäßigen Zug in Richtung Dresden-Prag angehängt wurden. Seit dem 2. Juni waren schon 50 solcher Transporte aus der damaligen Reichshauptstadt nach Böhmen abgegangen.

Einige Zeit nach ihrem Abtransport begaben sich einige Herren in ihr Zimmer in der Sybelstraße 39, an der Spitze der Gerichtsvollzieher Schüler aus Wittenau, die nach verwertbarem Vermögen fahndeten. Auf einem roten Formblatt trug Schüler am 9.10.1942 in der Spalte „Inventar“ entnervt mit Bleistift ein: „Fehlanzeige“. Trotzdem brauchten er und seine Begleiter, wie vermerkt wurde, „von 13.30 bis 14 Uhr“, um das Zimmer – und vielleicht die Wohnung – zu durchsuchen. Sie fanden nichts. Bianca Zobel hat sie wohl genarrt.

Noch länger als zwei Jahre überlebte Bianca Zobel, die für ihr Alter offenbar eine gute Konstitution hatte, im Ghetto Theresienstadt, wo tausende Jüdinnen und Juden eingesperrt waren. Erst am 9. November 1944 hat sie dieses grauenvolle Dasein nicht mehr ertragen müssen, da war sie schon 79 Jahre alt.