Elise Hiller geb. Rosenbaum

Verlegeort
Trautenaustr. 20
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. April 2012
Geboren
14. März 1866 in Berlin
Deportation
am 12. August 1942 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 26. September 1942 nach Treblinka
Ermordet
in Treblinka

Elise Rosenbaum kam am 14. März 1866 in Berlin auf die Welt. Ihr Vater, der Kaufmann Adolph (Abraham) Rosenbaum, hatte ein „Lager für Näh- und Maschinenseiden, Zwirnen und Seiden“ in der Kurstraße, Nähe Spittelmarkt. Elises Mutter war Emma (Ester) Rosenbaum geb. Stargardt. Elise hatte drei jüngere Geschwister: Heinrich kam 1867 auf die Welt, Hedwig 1871 und Albert, der Jüngste, wurde 1875 geboren. 

1888 heiratete Elise nach einjähriger Verlobungszeit Jüdel Philipp Felix Hiller, geb. am 3. April 1852 in Bentschen, Kreis Meseritz. 

Felix Hiller war Inhaber einer Herrenkrawattenfabrik in Kreuzberg. Möglicherweise hat die berufliche Nähe zu Elises Vater zur Ehestiftung beigetragen.

Am 4. September 1889 wurde dem Paar der Sohn Julius Walter geboren, die Tochter Dorothea kam am 24. Mai 1892 auf die Welt. Damals wohnten die Hillers in der Friedrichstraße 221, die Krawattenfabrik befand sich in der Kreuzberger Oranienstraße 70. 

Dorothea reiste im September 1907 in Begleitung ihres Onkels Heinrich nach New York. Vielleicht war diese Reise bereits die Vorbereitung für ihre spätere endgültige Auswanderung . Als Dorothy Hiller heiratete sie in Philadelphia Oskar Goldberg, sie starb dort 1948. Heinrich war 1894 nach Amerika ausgewandert, heiratete ein Jahr später Hannah Davidson und wurde amerikanischer Staatsbürger. Es gibt keinen Hinweis, ob Dorothea oder Heinrich versucht haben, Elise in den Zeiten der Verfolgung ab 1933 zu sich zu holen. 

Felix Hiller starb 1913 und die Fabrik wurde an Paul Fraenkel verkauft. Im Adressbuch von 1913 ist Felix noch als Judel Hiller unter der Wilmersdorfer Adresse Pfalzburger Straße 50 eingetragen, aber Elise dürfte dort nach dem Tod ihres Mannes allein eingezogen sein. Sie wohnte ununterbrochen bis 1933 in dieser Wohnung. 

Walter hatte inzwischen Jura studiert und sich als Rechtsanwalt und Notar in der Regensburger Straße 2 niedergelassen, wo sich auch die Wohnung befand. Seine Ehefrau war die Stenotypistin Frieda Levy. Ihm wurde am 6. April 1938 seine Anwaltszulassung entzogen, das Notariat allerdings schon früher. Am 1. November 1941 wurde er zusammen mit Frieda nach Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Walter Hiller starb dort am 14. Februar 1942 im Ghettokrankenhaus an den Folgen der unmenschlichen Bedingungen; als offizielle Todesursache wurde „Herzschwäche“ angegeben. Frieda wurde am 8. Mai desselben Jahres nach Chelmno (Kulmhof) weiterdeportiert und dort in einem der Gaswagen ermordet.

Elise wohnte von 1934 bis 1937 in der Prinzregentenstraße 76, sie ist in den Adressbüchern stets als Haushaltsvorstand mit dem Zusatz Witwe oder Privatiere eingetragen. Am 1. April 1937 bezog sie eine 5-Zimmerwohnung in der Trautenaustraße 20. Offenbar hatte ihr Mann zu Lebzeiten genügend Rücklagen gebildet, sodass Elise über all die Jahre ein gutes Auskommen hatte. 1942 war das Geld  jedoch aufgebraucht, ihr Gesamtvermögen betrug nur noch 1500 RM. Davon waren 1000 RM in Pfandbriefen bei der Berliner Bank allerdings schon vorher gesperrt worden.

Seit 1939 wurden nach und nach verschiedene Untermieter*innen in ihre große, vollständig eingerichtete Wohnung zwangseingewiesen. 1942 wohnten Jenny Neustadt, Agathe Lippmann, Philipp und Else Bloch und Edith Lewin mit ihr zusammen. Mit Agathe Lippmann musste sie sich sogar ein Zimmer teilen. Die Mieteinnahmen in Höhe von 140 RM wurden auf ein Sicherungskonto bei der Dresdner Bank eingezahlt, über das Elise nur beschränkt verfügen konnte.
Elise machte diese Angaben am 5. August 1942, eine Woche vor ihrer Deportation

Am 12. August 1942 wurde Elise Hiller zusammen mit Agathe Lippmann und Ida Katzenstein – einer anderen Hausbewohnerin - nach Theresienstadt deportiert. In dem hoffnungslos überfüllten Ghetto musste Platz gemacht werden für ständig neu eintreffende Gefangene, so wurde Elise Hiller schon 6 Wochen später, am 26. September, in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt. Der Transport umfasste 2008 Menschen, die ausnahmslos ermordet wurden. 

Ihre ehemaligen Mitbewohner*innen verblieben nur noch kurze Zeit in der Wohnung, Jenny Neustadt wurde am 24. August deportiert und das Ehepaar Bloch wählte angesichts der drohenden Verschleppung den Freitod. Am 9. Oktober 1942 galt die Wohnung in der Trautenaustraße als geräumt.

 Von Elises Schwester Hedwig verliert sich nach deren Heirat mit Rudolph Jacobsohn am 1. Februar 1904 jede Spur. Das Ehepaar hatte drei Kinder, Henry(*1905) und Lily(*1909) und Werner (*1910). Als Rudolph Jacobsohn 1927 im „Kurhaus für Nervenleiden“ in der Charlottenburger Ulmenallee starb, war auf seiner Sterbeurkunde München als Wohnort eingetragen. 

Albert, der jüngste der Geschwister Rosenbaum, wurde Schauspieler und Theaterdirektor in Potsdam. Albert Rosenbaum und seine Frau Betty, geb. Bukofzer wurden im Warschauer Ghetto ums Leben gebracht. Für sie liegen Stolpersteine in Babelsberg, Körnerweg 4. Beider Sohn Eric Rosenbaum, der ebenso wie sein Bruder Gerhard auswandern konnte, hinterlegte 1992 für seine Tante Elise Hiller, seine Eltern Albert und Betty Rosenbaum und seinen Cousin Walter Hiller Gedenkblätter in der Gedenkstätte Yad Vashem.

Für Elises Sohn Walter und seine Frau Frieda liegen seit 2009 Stolpersteine in Schöneberg, Regensburger Straße 2.