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Siegbert Goldbarth

Siegbert Goldbarth und sein Neffe Heinz Benger in einem Berliner Freibad 1929
Das Geschenk von Siegbert an Heinz - die selbst gefertigte Bürste
Siegbert Goldbarth
VERLEGEORT
Wrangelstr. 6-7

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
01.06.2017

GEBOREN
06.09.1895 in Berlin
DEPORTATION
am 09.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Siegbert Goldbarth wurde am 6. September 1896 als jüngstes von vier Kindern in Berlin geboren. Seine Eltern waren Moses und Emilie (geb. Graetz) Goldbarth, die beide aus Samter, Kreis Posen in Polen stammten. Er hatte eine große Schwester, Hertha, geboren 1884, sowie zwei Brüder, Rudolf und Arthur, geboren 1893 und 1889.

Siegbert war – vermutlich seit seiner Geburt – taub. Mit sechs oder acht Jahren erkrankte er an Gehirnhautentzündung, mit fünfzehn wurde Nachtblindheit diagnostiziert und mit 21 Jahren zog er in die Jüdische Blindenanstalt in Berlin-Steglitz. Er arbeitete dort zunächst als Bäcker, später als Bürstenmacher.

Zu dieser Zeit – in den dreißiger Jahren – lebten seine Eltern in Bromberg (ab 1919 polnisch), ebenso wie seine Brüder, die beide promovierte Ärzte waren.
Nur Siegberts Schwester Hertha lebte ebenfalls in Berlin. Sie hatte drei Söhne. Der jüngste war Heinz, geboren 1917. Heinz hatte Siegbert, seinen jüngsten Onkel, sehr gern. Aus dem Jahr 1929 gibt es ein Foto, das Siegbert und Heinz in einem Freibad zeigt. Sie sitzen auf einer Decke und spielen Karten. Auf diesem Foto lächelt Siegbert, ebenso wie auf einem Porträtfoto, das Heinz dem Gedenkblatt in Yad Vashem beigefügt hat und ihn als jungen Mann zeigt. Auch auf einem Gruppenfoto, auf dem die Belegschaft der Blindenwerkstatt Otto Weidt im Jahr 1941 zu sehen ist, lächelt er. Die enge Freundschaft zu Heinz zeigt sich auch in dem Geschenk, das Siegbert seinem Neffen machte: eine Bürste mit den Initialen des von Heinz.

Nachdem ein Antrag des Kreisarztes von Berlin-Steglitz auf „Unfruchtbarmachung“ von Siegbert Goldbarth gestellt wurde, war es auch Hertha, die versuchte, ihrem Bruder zu helfen. Hertha und ein Pfleger legten gegen einen entsprechenden Beschluss der Charité Einspruch ein und begleiteten Siegbert zum Gericht. Obwohl Siegberts Blindheit keine erbliche Krankheit war, wurde der Einspruch zurückgewiesen. Siegbert wurde im August 1936 sterilisiert.

Wie alle anderen Bewohner des Blindenheims musste Siegbert Goldbarth im Jahr 1941 in das „Jüdische Blinden- und Taubstummenwohnheim“ in Berlin Weißensee, Parkstraße 22, umziehen. In dieser Zeit arbeitete Siegbert als Bürsteneinzieher in der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Kurz vor der Deportation musste er noch in die Auguststraße 14-16 im Stadtbezirk Mitte ziehen. Dieses Haus war bis 1914 das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde. Danach fanden jüdische Emigranten aus Osteuropa dort Zuflucht. Seit 1922 existierte hier das reformpädagogisch ausgerichtete Kinderheim AHAWAH. 1941 machte die Gestapo das Haus zum Sammellager für alte und kranke jüdische Menschen, die von hier aus deportiert wurden. Am 9.12.1942 wurde Siegbert Goldbarth von hier nach Auschwitz deportiert. Sein Todeszeitpunkt ist nicht bekannt.

Die Eltern von Siegbert wurden in Bromberg im Jahr 1940 ermordet. Der Bruder Rudolf hatte Gertrud Gappe geheiratet; sie hatten zwei Töchter: Dorothea und Ruth. Die gesamte Familie starb im Warschauer Ghetto. Auch der Bruder Arthur wurde im Holocaust ermordet, Ort und Zeitpunkt sind nicht bekannt.

Die drei Söhne Herthas konnten emigrieren. Hertha selbst konnte ebenfalls Deutschland verlassen. Sie lebte in Argentinien und starb 1954.
Heinz heiratete 1942 Hilde. Ihre Tochter Mariana, geboren 1943, lebt heute in Bahan, Israel.


Biografische Zusammenstellung

Petra T. Fritsche

Weitere Quellen

- Family Tree (geni.com)
- Mariana Kriguer, Großnichte, und Yaara Benger, Urgroßnichte von Siegbert Goldbarth